"So wie Du tötet niemand,
raubst den Kopf, lässt das Herz."
*Rosenstolz
Vor noch gar nicht allzulanger Zeit, da begegnete ich
einem Traumfänger. Er bescherte mir die schönsten
Träume, träumte sie mit mir und sammelte sie ein. Immer
dann, wenn ich einen Traum brauchte, konnte ich darauf
zurückgreifen.
Doch eines Tages verschwand er aus
meinem Leben, still und heimlich, genauso plötzlich,
wie er es betreten hatte, und er nahm alle Träume mit.
Lange konnte ich es nicht begreifen, suchte nach ihm,
hoffte auf seine Rückkehr und vermisste meine Träume.
Ich versuchte, neue schöne Träume zu sammeln, aber es
gelang mir nicht, denn in mir war eine große Leere und
Traurigkeit.
Ich habe geweint, gehofft und immer wieder
versucht zu träumen. Doch jeder Versuch endete in einem
Tränenmeer.
Heute weiß ich, dass es falsch war, einem
Traumfänger zu vertrauen, denn...
„Wer unsere Träume stiehlt, gibt uns den Tod.“
*Konfuzius
Es ist ein langsamer Tod, schleichend, grausam. Er
frisst sich durch den Körper, lässt die Seele erkalten,
das Herz erfrieren, das Blut erstarren.
Nur der Kopf
lebt weiter und leidet. Leidet, weil er sich erinnert,
an Gefühle, Wärme, Vertrauen, Hoffnungen, Träume voller
Liebe und er schreit:
"Vergiss nicht, mir einen Teil unserer Träume zurückzugeben,
denn wir haben sie doch gemeinsam geträumt."
Ein stummer, nicht endender Schrei, unerhört.
Dreh Dich noch einmal um Traumfänger,
und sieh, was Du verursacht hast...
© Chérie de Louis (03.Januar 2010)

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